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Artikel in der Süddeutsche Zeitung: "Filmpremiere hinter Gittern"
Der Dokumentarfilm begleitet jugendliche Gewaltstraftäter in der Jugendstrafanstalt Berlin durch eineTherapie, die sie auf ein Leben in Freiheit vorbereiten soll.
Im Gespräch begegnet die Therapeutin Frau Missala den Inhaftierten auf Augenhöhe - mit Klarheit, aber nicht ohne Wärme. Es geht um Reue und Reuelosigkeit, um das Leben auf Berlins Straßen, die Beziehung zur eigenen Familie, den Unterschied von Spiel und Verbrechen, und die Mathehausaufgaben – von philosophisch bis trivial, hier werden die entscheidenden Fragen verhandelt.
Aber kann an diesem Ort, der den Inhaftierten viel Härte abverlangt, ein offener Blick ins eigene Innere gelingen? Manch einer lässt sich nicht recht in die Karten schauen - andere offenbaren ihr innerstes Seelenleben, und wir erleben einen verletzlichen jungen Menschen. Verändert man sich hier, oder lernt man bloß, sich besser zu verstellen?
Statement des Regisseurs:
Das Haus 4 der Jugendstrafanstalt Berlin habe ich als einen Ort der Gegensätze kennengelernt. Dort bin ich über anderthalb Jahre hinweg mit eigenem Schlüssel unterwegs gewesen und für die Inhaftierten und Mitarbeiter Teil des Alltags geworden. Das Gefängnis handelt im Auftrag von uns allen, folgt den gesetzlichen Vorgaben, ist human im Umgang mit den Inhaftierten. Aber kann man Menschen zwingen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen - und sich möglicherweise zu verändern? Als widersprüchlich habe ich auch die Gefangenen wahrgenommen: als liebenswert und hassenswert, reuig und reuelos, lustig und vulgär, als Täter und als Opfer, als schuldig und gleichzeitig sehr jung. Der Film soll diese Realität spiegeln und ihren Gegensätzen einen Raum geben. Er soll da hinschauen und Fragen stellen, wo wir als Gesellschaft gerne wegschauen, oder uns mit einfachen Antworten zufriedengeben. Und es spricht aus ihm die Hoffnung, dass es sich auch in nicht perfekten Systemen lohnt, das Mögliche zutun.
Die Menschen im Film
Philipp Schaeffer
Zur WebsitePhilipp Schaeffer ist ein Regisseur und Kameramann aus Hamburg. Abschluss in Philosophie am King's College London 2017, dann Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden Württemberg, mittlerweile in Berlin. Seine Arbeiten wurden für den IDA Award und den Preis der Deutschen Filmkritik nominiert, durch The New Yorker Documentary, SWR/arte oder das ZDF Das Kleine Fernsehspiel produziert/lizenziert und auf Festivals wie CPH:DOX, Camerimage oder Sundance gezeigt.